Protokoll und Auswertung der Vollversammlung am 28.03.2018

Am 28.03. fand eine Vollversammlung zu den Diskussions- und Chaostagen vom 10.-13. Mai in Berlin statt. Über eine Woche nach der VV versuchen wir die genannten Punkte so gut es geht zu rekonstruieren und als Protokoll zur Verfügung zu stellen. Die nächste Vollversammlung findet am 18.04. um 19:00 im Mehringhof statt.

Die VV wurde mit einer kurzen Vorstellung der Diskussions- und Chaostage und einer Erklärung wie es zu der Idee der Tage kam eingeleitet. Anfang diesen Jahres entstand die Idee an einem Wochenende die „gegenStadt – Tage“ zu veranstalten, die mit Diskussionen zu Perspektiven unserer Kämpfe in den Städten gefüllt werden sollten. Dabei wurden verschiedene Fragen gestellt:

„Wir fragen uns, was die Kämpfe in der Stadt für eine Bedeutung haben, ob wir ihnen zu viel Bedeutung schenken? Wir würden gerne den Ist-Zustand analysieren im Zeitalter von Smart-City und Urban Warfare. Wir wollen uns über Ziele und Strategien von anderen Stadtteilgruppen und anderen in der Stadt aktiven Gruppen austauschen. Wir sind daran interessiert, wieder gemeinsam revolutionäre Perspektiven zu debattieren. Wir fragen euch, habt ihr eine Perspektive? Wie sieht diese aus und wie verfolgt ihr sie? Was sind die Probleme und können wir sie gemeinsam lösen? Fühlt euch direkt angesprochen, wenn ihr denkt, dass wir, die wir in den Städten kämpfen, diese inhaltliche Auseinandersetzung brauchen.“

Aus dieser Idee wurden letztendlich die Diskussions- und Chaostage im Mai, bei denen der aufrufende Vorbereitungskreis sich vornimmt, eine gewisse Grundstruktur (z.B. Mobi, Infrastruktur) zu koordinieren und einige Veranstaltungen in der Rigaer Straße zu organisieren. Der Aufruf richtet sich an Intiativen, Einzelpersonen und Gruppen selbst Veranstaltungen während der Tage an den Orten ihrer lokalen Kämpfe zu organisieren und in dem Rahmen aufeinander Bezug zu nehmen.

Eine Woche nach der VV versuchen wir mit diesem Protokoll die genannten und diskutierten Punkte so gut es geht zu rekonstruieren.

Die ersten Redebeiträge bezogen sich im wesentlichen auf die Namensgebung der Tage. Das Wort „Chaos“ diffamiere eine anarchistische Utopie, die für Ordnung ohne herrschende Verhältnisse steht. In dem Kontext wurde als positive Kritik genannt, dass Chaos eine realpolitische Antwort auf die bestehende Ordnung, die Menschen unterdrückt und von Herrschenden um jeden Preis aufrecht gehalten werden will, sein kann. Einige sahen durch das Wort Chaos eine eingeschränkte Mobilisierungsfähigkeit, da sich Menschen etwas außerhalb der sogenannten „radikalen Bewegung“ davon abgeschreckt fühlen könnten. Am Ende dieser Diskussion stand mehr der DiY Charakter, den der Name mit sich bringt, im Fokus, denn Chaos gehe in alle Richtungen und die Beteiligung kann dementsprechend vielfältig sein.

Außerdem wurden folgende Punkte angesprochen:

– die Veröffentlichung von möglichen Veranstaltungsorten auf dem Blog kann anderen Gruppen helfen, sich Orte raus zu suchen und die Initiative zu ergreifen dort Veranstaltungen zu organisieren

– es wurde der Wunsch geäußert, die Tage mit einer VV zu beginnen und mit einer am Ende abzuschliessen, um Aktionstage und Demos, die davor schon liefen als auch die vier Tage selbst gemeinsam auswerten zu können. Darüber hinaus könnte eine VV dazu dienen, längerfristige Kontakte zwischen den verschiedenen Kämpfen und Gruppen zu sichern und eine konstante Plattform für Austausch zu bieten.

– Koordination von Schlafplätzen für Leute aus anderen Städten / Regionen, wofür bereits eine Emailadresse (sleepingchaos@riseup.net) eingerichtet wurde. Räume, die Platz für Schlafplätze haben können sich gerne auf die Emailadresse melden.

– VV als offene Möglichkeit der Partizipation. Einzelnene Personen können eigene Ideen vorstellen und Leute gewinnen oder an schon vorhandenen Gruppen oder Projekten teilnehmen.

– es wurde analysiert, dass viele Kämpfe in dieser Stadt parallel zueinander ablaufen und sich nicht aufeinander beziehen. Es besteht der Wunsch dem entgegen zu wirken und den gegenseitigen Bezug zu stärken, um einer Konkurrenz zwischen Veranstaltungen, Kampagnen entgegen zu wirken.

– Bedeutung von dezentralen Veranstaltungen: vielfältiger Inhalt, eine Konzentration auf einen bestimmten Ort würde es den Bullen leicht machen, die Tage zu kontrollieren.

– dezentral vs zentral: ein zentraler Ort ist hilfreich, damit Leute sich kennenlernen und vernetzen können, der dezentrale Aspekt der Tage schafft jedoch den Anspruch, aus den Komfortzonen auszubrechen und „Kiezismus“ zu überwinden

– es sollte sich gemeinsam um mögliche Repression während und nach den Tagen gekümmert werden, das koordinierende Vorbereitungsplenum kann eine Teilstruktur stellen

– die Kiezhaus Initiative „Agnes Reinhold“ aus dem Wedding organisiert eine Diskussionsveranstaltung am Donnerstag über Nachbarschaftsorganisation / -kämpfe

Im Bezug auf die Umsetzung der Idee der Tage bestehen unterschiedliche politische Diskurse und Erwartungen. Auf der einen Seite wurde der Wunsch nach mehr Struktur und Zentralität der Veranstaltungen geäußert, andererseits besteht der Wunsch nach einer stärkeren Ausbildung von Selbstorganisation und -initiative und DiY „Spirit“. Am 18.04., vier Tage nach der großen Mietendemonstration, wäre die nächste Vollversammlung ein gelegener Anküpfungspunkt, die Tage und ihre Idee weiter zu diskutieren. Mit von Einzelnen oder Gruppen zusammengetragenen Tagesordnungspunkten würde man den Charakter einer Infoveranstaltung mit anschließender Diskussion verlassen und mehr in die Richtung eines von möglichst vielen Aspekten geprägten Diskurs gelangen.

Nächste Vollversammlung: 18.04.2018 // 19:00 // Mehringhof